Society for the Promotion of the Egyptian Museum Berlin

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Reports Chronological (text sometimes only in German)

May 2017: Friends: Götter, Gärten und Geehrte

Tagesexkursion des Freundeskreises ins Museum August Kestner in Hannover

Wieder einmal folgte der Berliner Freundeskreis der Einladung von Dr. Christian Loeben, Leiter der ägyptischen Abteilung des Museums August Kestner in Hannover, und Frau Marianne Bruns, Vorstandsmitglied des dortigen Freundeskreises „Antike und Gegenwart“, um diesmal die zwar kleine, aber doch für beide Museen so bedeutende Sonderausstellung „Götter, Gärten und Geehrte“ zu besuchen.
Schon am Bahnhof in Hannover wurden wir von Herrn Loeben erwartet, der den Weg zum Museum gleich für eine kleine Stadtführung nutzte.


Im Museum trafen wir schon um 10 Uhr ein, eine Stunde vor der Öffnungszeit, und konnten uns in Ruhe bei einem kleinen, liebevoll von Frau Bruns vorbereiteten Imbiss stärken und den einführenden Worten lauschen. Nach einem kurzen Rundgang durch die neugestaltete Präsentation der Geschichte des Kestner-Museums folgte eine ausführliche, kurzweilig geführte Besichtigung der Sonderausstellung. Das Zentralobjekt ist Teil einer Wand aus dem sonst unbekannten Grab des Oberpriesters und Schreibers des Königs Nijaji, welches von zwei größeren Relieffragmenten gebildet wird. Normalerweise sind sie getrennt voneinander in den Dauerausstellungen in Hannover und Berlin ausgestellt.


Die beiden Teile des Reliefs aus dem Grab des Nijaji in der Sonderausstellung. © Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung und Museum August Kestner, Hannover / A. Schröder

Ihre Trennung erfolgte schon Mitte des 19. Jahrhunderts, als Richard Lepsius, der erste deutschsprachige Ägyptologe und zweiter Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, von seiner dreijährigen Expedition durch Ägypten und den Sudan (1842-45) nach Berlin zurückkehrte. Er hatte dabei mehr als 1500 Objekte als Geschenk des ägyptischen Khediven Mohamed Ali an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. im Gepäck. Sein Rückweg führte ihn über Rom, wo er seinen Freund, den Diplomaten und Gesandten beim Heiligen Stuhl August Kestner aufsuchte, um ihm von der Expedition zu berichten. Kestner gehörte in dieser Zeit zu den bedeutenden Privatsammlern sowie Kennern antiker Kunst. Zudem war er auch in der ägyptischen Geschichte und der Hieroglyphenschrift gut bewandert, hatte er doch diese beim großen Meister selbst, Jean-François Champollion, gelernt.

Lepsius wollte seinem Freund Kestner eine besondere Gunst erweisen und verehrte ihm die linke Hälfte dieser Grabwand, die er selbst in Ägypten, in einem Haus verbaut, gefunden hatte. Diese gelangte nach dem Tod August Kestners (1853) zusammen mit zahlreichen weiteren Antiken als Geschenk an die Stadt Hannover, während die rechte Hälfte 1845 weiter nach Berlin reiste und dort ab 1850 in der Neupräsentation der ägyptischen Sammlung im Neuen Museum zu sehen war. Glücklicherweise überlebten beide Teile unabhängig voneinander unbeschadet beide Weltkriege, wurden aber nie wiedervereint, bis im letzten Jahr das Museum Rietberg in Zürich für eine Sonderausstellung zum Thema „Gärten der Welt“ bei Hannover und Berlin die beiden Fragmente als Leihgaben anfragte, um sie erstmals nach 170 Jahren wieder zusammenzufügen. Da diese Zusammenführung so erfolgreich war und Hannover quasi auf dem Weg nach Berlin liegt, legte das Berliner Fragment auf seiner Rückreise noch eine Zwischenstation ein. Daher kann man diese einmalige Präsentation in Hannover noch bis zum 16.07.2017 bewundern.


Beide Teile zeigen zueinander spiegelverkehrt (fast) dieselbe Szene: der Grabherr kniet zusammen mit seiner Frau (die im Berliner Fragment durch die Trennung der beiden Teile fast vollständig verloren ist) vor einem Baum, aus dem die Leben spendende Baumgöttin hervorragt. Derartige Szenen, die die göttliche Versorgung der Verstorbenen im Jenseits symbolisieren, sind in den Gräbern des Neuen Reiches weit verbreitet. Zumeist steigt die Baumgöttin aus einer Sykomore empor, wie es auch beim Hannoveraner Fragment der Fall ist. Der rechte, Berliner Teil dagegen zeigt eine Dattelpalme, ein sehr ungewöhnliches Detail, das Lepsius wahrscheinlich dazu bewogen hat, nicht das gesamte Relief August Kestner zu schenken, sondern diesen „bedeutenderen“ Teil für Berlin zu behalten. Nach Lepsius und Kestner waren nun zunächst in Zürich und jetzt — wie auch unser Freundeskreis — in Hannover die Besucher der Ausstellung die ersten, die diese Grabwand wieder vereint sahen.

Im Gegensatz zu Zürich hat Hannover das Thema Garten ausschließlich auf das alte Ägypten bezogen, so dass das Museum August Kestner mit einer weiteren Attraktion aufwarten kann, einem virtuellen Rundgang durch den berühmten Garten des Oberbürgermeisters von Theben, Sennefer, der nur zweidimensional in seinem Grab aufgemalt ist. Durch aufwendige Computertechnik ist es gelungen, die Zeichnungen in einen dreidimensionalen Raum umzusetzen und damit die von den Ägyptern bevorzugte aspektivische Darstellungsweise in eine für den modernen Betrachter verständliche perspektivische Ansicht zu verwandeln. Ein Vergnügen, das man nicht nur in der Ausstellung sondern auch zuhause genießen kann.


Nach der eindrucksvollen Führung durch die Sonderausstellung ging es noch — in zwei kleineren Gruppen — in die sonst unzugänglichen Depots, die nicht nur antike und ägyptische Schätze bergen sondern auch Objekte aus den weiteren großen Sammlungsgebieten, Mittelalter und Kunstgewerbe.
Bei frischem Tee und Kaffee sowie selbstgebackenen Kuchen durften wir uns dann noch einmal stärken, um zum Abschluss die kleine Sonderausstellung zur wissenschaftlichen Erforschung und kürzlichen Zerstörung der antiken Stadt Palmyra zu besichtigen.


Angefüllt mit vielfältigen Eindrücken und Informationen, leicht erschöpft von den mehrstündigen Führungen sowie sehr erheitert und beglückt von dem herzlichen Empfang und der familiären Atmosphäre, kehrten wir am Abend wieder nach Berlin zurück.

Wir freuen uns auf weitere Begegnungen und natürlich besonders auf einen schon im Gespräch befindlichen Gegenbesuch des Hannoveraner Freundeskreises in Berlin.

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