Society for the Promotion of the Egyptian Museum Berlin

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July 2019: Objects: The biggest Puzzle - Eine Göttin bekommt nach 74 Jahren ihre Krone zurück

Bedingt durch die Sammlungsgeschichte des Ägyptischen Museums Berlin (ÄMP) sind insbesondere durch die Auswirkungen des 2. Weltkrieges viele Objekte des Museums durcheinander gebracht, beschädigt oder gar zerstört. Auch durch die nachfolgende, bis 1989 andauernde Teilung der Bestände auf zwei Standorte - Ostberlin (DDR) und Westberlin (BRD) - sind einige Sammlungszusammenhänge bis heute schwer verständlich. So sind einige Objekte nur als Bruchstück eines vormals größeren Artefaktes erhalten und weisen mitunter keine lesbare Inventarnummer auf, was eine Identifizierung erschwert. Hinzu kommt der Umstand, dass die Art und Weise der Dokumentation vor 1945 nicht den heutigen Standards entspricht. Besonders wenn es sich um Objekte handelt, die ausschließlich im Depot gelagert oder schlichtweg noch nicht publiziert waren, ist es mitunter schwierig deren Identität zu bestimmen. Im Ägyptischen Museum Berlin gehören neben großen Objekten, wie beispielsweise Reliefs, Statuen und Särge, auch viele kleinformatige Objekte zum Bestand. So auch Objekte, die mit dem Sachbegriff Amulett klassifiziert werden. Mit zwei Fragmenten eines solchen Amuletts hatte kürzlich der Sammlungsverwalter des ÄMP Frank Marohn zu tun. Bei dem Objekt handelt es sich um die Darstellung einer stehenden Frauenfigur, genauer der Göttin Selket (ÄM 4030), deren Fragmente nun nach akribischer Nachforschung im Depot wieder zueinander gefunden haben.


Die kleine Krone der Figur (Höhe: 1,1 cm), die stark stilisiert einen Skorpion zeigen soll, war seit Kriegsende (1945) vom Körper der schreitenden Göttin (Höhe: 2,0 cm) getrennt. Die Schutzgöttin der Heilkundigen, Selket, ist aus kostbarem Lapislazuli gearbeitet. Die Skorpionkrone, die schon seit 1827 als winziges Fragment mit einem Klebemittel auf dem Kopf der Miniatur befestigt worden war und nach 1945 abgefallen sein muss, wurde bisher nicht als zu diesem Stück gehörig erkannt. Ein Hauptgrund wird darin zu sehen sein, dass die Krone, vornehmlich aufgrund ihrer Winzigkeit, keine Inventarnummer aufwies. Nur am durchbohrten Rückenpfeiler des Amuletts war die Inventarnummer mit Bleistift vermerkt. Herr Marohn fand die Krone anhand des Vergleiches mit einer kleinen, mit schwarzer Tinte ausgeführten Handzeichnung im Inventarbuch des ÄMP. Die Krone lag in einer offenen Schachtel zusammen mit anderen Kleinstfragmenten im Depot im Bereich der nichtklassifizierten Objekte.


Die Zeichnung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Sicherstellung der Identifizierung des Objektes angefertigt wurde, ist die einzige erhaltene Abbildung dieses Stückes. Es gab zuvor keinerlei Fotos, welche das Objekt vor dem 2. Weltkrieg zeigen.


Das in antiker Zeit sicher aufgrund seiner Miniaturhaftigkeit recht grob gearbeitete Stück, stammt aus der Sammlung Guiseppe Passalacqua. Diese Sammlung bildet seit 1827 mit über 1650 Objekten eine wichtige Basis im Bestand des ÄMP. Somit hat die nicht einmal 1 Gramm wiegende Göttin nach 74 Jahren ihre Krone zurück und entspricht damit wieder ihren ursprünglichen Maßen, welche im Inventarbuch und der Datenbank verzeichnet sind.

Frank Marohn, Dipl. Museologe (FH) am Ägyptischen Museum und Papyrussammlung zu Berlin

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